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  • Christopher Street Day (CSD) Stuttgart

Meinungen zum CSD

50 Jahre nach den Stonewall Inn-Revolten in New York und 40 nach dem „Homobefreiungstag“ in Stuttgart schallt uns in schöner Regelmäßigkeit die Frage entgegen: „Wofür braucht's den Christopher Street Day noch?“

Anlässlich des diesjährigen Jubiläumsreigens haben wir zwei Vereinsmitglieder der IG CSD Stuttgart e.V. und langjährige Beobachter der hiesigen Regenbogen-Community um ihre Meinungen dazu gebeten.

Ja, wir brauchen noch einen CSD

Ich finde es selbstverständlich, dass wir den CSD noch brauchen. Es ist nicht einmal notwendig, dafür den aktuellen Rechtsruck unserer Gesellschaft und den Aufstieg der AfD anzuführen. Auch ohne diese Antidemokraten läge noch genug im Argen. Mit der Toleranz ist es in weiten Teilen des Landes und der Bürgerschaft auch 50 Jahre nach Stonewall nicht weit her. Von einer Akzeptanz ganz zu Schweigen.

2019 csd stuttgart meinung andreas zinsser 600x399Andreas Zinßer

Manche, gerade in Stuttgart, mögen geblendet sein von den liberalen Sitten der Landeshauptstadt. Aber schon in Altdorf bei Böblingen sieht die Welt gänzlich anders aus. Diese knapp 30 Kilometer bedeuten für lesbische, schwule und bisexuelle Menschen einen Unterschied zwischen selbstverständlicher Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und öffentlich ausgedrücktem Hass im Alltag. Stellen wir uns gar vor der betroffene Mensch wäre dort trans* oder intersexuell.

Der CSD hatte seit seinen Anfängen die Aufgabe, gesellschaftliche Minderheiten, die sich mittlerweile unter dem Kürzel LSBTTIQ weitgehend subsumieren lassen, in der Gesellschaft auf laute und bunte Art sichtbar zu machen. Dadurch sollte politisch Einfluss gewonnen werden, der zum Abbau von Diskriminierungen auf Grund geschlechtlicher Identität oder sexueller Orientierung führen sollte. Diese Aufgabe ist nach wie vor nicht vollständig erledigt. Zwar mag mit der Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare eine gewisse Normalität errungen worden sein. Zwar gibt es heute Antidiskriminierungsgesetze und ein gewisses Bewusstsein dafür, dass zwar vor dem Gesetz alle Menschen gleich sind, sie sonst aber in allen Farben des Regenbogens schillern.

Diese Erfolge möchte ich weder kleinreden noch negieren.
Doch für eine Einstellung des CSD sehe ich keinen Grund. Dafür sind viel zu viele Baustellen noch offen! Begonnen bei einem Transsexuellengesetz, das seit Jahren bereits als nicht verfassungskonform verurteilt ist, über Zwangsoperationen an Säuglingen, die optisch erst mal keinem Geschlecht zugeordnet werden können, bis hin zu nicht ausrottbaren Vorurteilen über die Promiskuität von Bisexuellen. Wer denkt, der CSD sei ein Auslaufmodell, sei heutzutage nur noch eine große kommerzielle Party, sollte sich den Forderungskatalog des Stuttgarter CSD-Vereins vor Augen führen.

Wer als Schwuler oder Lesbe denkt, er/sie habe die rechtliche Gleichstellung erreicht und könne sich nun zurückziehen, der darf sich daran erinnert fühlen, dass damals in New York die Transen den Aufstand begonnen hatten. Wie haben wir es ihnen bis heute gedankt? Mit Ausgrenzung und Missachtung in vielen Situationen des täglichen Communitylebens. Allein wegen der fehlenden Akzeptanz füreinander in den eigenen Reihen braucht es den CSD als EINE Bewegung für alle.

Andreas Zinßer

Nein, das ist überflüssig

Wofür brauchen wir den CSD noch? „Ihr habt doch schon alles erreicht, was wollt ihr denn noch?“ Diese Frage kann sicherlich jedes Mitglied der Community anhand von zwei, drei persönlichen Beispielen widerlegen. Auch der Vorwurf „zu kommerziell“ mag zwar grundsätzlich korrekt sein, aber welche Veranstaltung, die mehr als 100 Besucher erwartet, kann sich den Fragen der Finanzierung entziehen?

Ich denke, es ist nicht notwendig, die Würfe mit Dreck aus den eigenen Reihen durch die Aussage, dass die CSD-Parade, die prominent von Medien verarbeitet wird und besonders die schillernden Paradiesvögel in den Vordergrund stellt, dem Ruf des „anständigen“ – oder „angepassten“ – LSBTTIQ-Mitglieds schade, zum Gegenargument anzuheben.

Aber ein Muster wird ersichtlich: Wie in allen ideologisch getriebenen Bewegungen wird ab einer gewissen Größe klar, dass sich unterschiedlichste Strömungen finden, die adressiert werden wollen und Anspruch auf eine Führungsrolle erheben. Das findet sich schon bei der Suche nach Namen wieder: „CSD“ in Deutschland, im Ausland generell „Pride“ – beides erklärungsbedürftig, weil beides teilweise nicht einmal jungen Community-Mitgliedern mehr etwas sagt, außer Party.

Soziale Strömungen, wie etwa Laura sie repräsentiert, konkurrieren aufs Schärfste mit kommerziellen Zielen, wie sie die „Fame“ anstrebt. Extrovertierte Schwule – meist cis-idente Männer – konkurrieren mit den weniger öffentlichen Lesben oder den in der Szene nicht überall willkommenen transgender Persönlichkeiten – und alle haben das Ziel, gehört zu werden, sich auszudrücken, ihre Agenda zu verfolgen.

2019 csd stuttgart meinung lars metze 600x399Lars Metze

Wenn aber der CSD sich (weiterhin) vor allem auf seine Wurzeln in der schwul-lesbischen Bewegung bezieht, wie will er dann alle diese Strömungen vertreten, wenn er sich aktuell schon schwertut, Themen wie Ausländerfeindlichkeit entgegenzutreten, weil Teile der Community Islamophob sind? Und wenn er das nicht kann – wie kann man auf eine Reform hoffen, die von der „Homolobby“ zu einer einigenden „Allianz für Toleranz“ führt? Die doch in der heutigen Zeit viel notwendiger ist, weil die Bereitschaft, Schwule und Lesben zu akzeptieren – wenn man sie denn persönlich kennt – schon einige Zeit hoch ist, aber im Gegensatz dazu konservative Kräfte und Rechtspopulismus begonnen haben, sich gegen alles, was sie nicht verstehen (wollen) in Bewegung zu setzen?

Und sollte man aus dem Wissen heraus, dass dagegen nur eine breite Front hilft, nicht LSBTTIQ, Menschen mit Wur-zeln in anderen Ländern und Freidenker zusammenführen in EINER Bewegung? Statt an einem CSD mit begrenzter Zielgruppe festzuhalten?

Lars Metze

TERMINKALENDER

Mo Di Mi Do Fr Sa So

Wichtige Termine

06. Juli - CSD-Jubiläumsempfang

12. Juli - CSD-Rathausempfang

19. Juli - CSD-Eröffnungsgala

27. Juli - CSD-Polit-Parade

27. Juli - CSD-Kundgebung

27. / 28. Juli - CSD-Hocketse

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